Kreutterbuch

Zuarbeit zum Vorwort des kompletten Nachdruckes:

Kreutterbuch von 1563 von Johann Kentmann

Über 450 Jahre nach der Fertigstellung des Originals ist in Vorbereitung der 9. Sächsischen Landesgartenschau (LAGA) 2022 in Torgau der komplette detailgetreue Nachdruck des “Kreutterbuches” von Johann Kentmann möglich geworden.

Als Auftragswerk des damalige Sächsischen Kurfürsten August I. und seiner Kurfürstin Anna hat der Torgauer Stadtarzt Johann Kentmann in diesem Buch 600 farbenprächtige Pflanzenaquarelle zusammengetragen und es am 26. Oktober 1563 in Torgau dem Kurfürsten übereignet.

Damit begann der Aufbau der kurfürstlichen Bibliothek, die zuerst in Annaburg und später in Torgau aufbewahrt wurde.   Jetzt wird es als eines der wertvollsten Kräuterbücher in der Abteilung Handschriften, Alte Drucke und Landeskunde der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden aufbewahrt.

Johann Kentmann führt in diesem Buch die Aquarelltechnik weiter, mit der er schon als Student im Botanischen Garten Padua 1549    über 200 Pflanzenbilder dokumentiert hat. Der Torgauer Maler David Redtel, der die Pflanzen des “Kreutterbuches” mit Eitemperafarben abbildete, erreichte eine bis dahin nicht gekannte Detailtreue der Pflanzenbilder.

Viele Bilder zeigen Blüten und Früchte in einem Bild. Das wurde möglich, weil Johann Kentmann als Vorlage für die Bilder vom damaligen Apotheker Joachim Kraich der Torgauer Mohrenapotheke aus dessen Garten lebende Pflanzen bekommen hat. Das Sortiment dieses spätmittelalterlichen Medizinalgartens der Mohrenapotheke war so umfangreich, dass er damals zu den vier bedeutendsten Gärten Deutschlands gezählt wurde.

Die Frische der farbigen Pflanzenaquarelle des Kreutterbuches ist auch nach über 450 Jahren noch unübertroffen und sie werden als das Ausgezeichnetste, was auf dem Gebiet der Pflanzenabbildungen aus der Renaissancezeit erhalten ist, bezeichnet. Im Unterschied zu den Holzschnittabbildungen vieler anderer damaliger Kräuterbücher gab es aber keine technische Möglichkeit, die farbigen Pflanzenbilder zu drucken, sodass dieses Buch kaum Eingang in die Gartenbauwissenschaft fand und bis heute noch nicht komplett publiziert worden ist.

Eine informative Ausgabe mit 38 Bildern erschien 2003 und ist lange vergriffen. Erst 2017 wurden die Pflanzenbilder des Kräuterbuches digitalisiert. Das ermöglichte Wissenschaftlern in Cambridge und Zürich vergleichende Forschungen mit anderen Kräuterbüchern der Renaissance mit dem Ergebnis, dass die Erstdokumentation mehrerer Pflanzenarten dem Kentmannbuch neu zugeordnet werden konnte.

Das “Kreutterbuch” von Johann Kentmann ist ein Beleg , dass Torgau nicht nur eine baulich – architektonische Renaissance-Stadt ist, sondern im 16. Jahrhundert ein Zentrum renaissancezeitlicher Wissenschaften in Deutschland war, wo Pflanzen, Mineralien und vieles mehr gesammelt und dokumentiert wurden.

Mit dem vorliegenden kompletten Nachdruck wird dieses farbenprächtige Kräuterbuch des 16. Jahrhunderts einem großen Leserkreis zugänglich gemacht und die Bedeutung Torgaus in der Renaissancezeit gewürdigt.

Persönlich möchte ich mich für die Realisierung dieses Nachdruckprojektes bei den Organisatoren, Herrn Reinhard Schultz, Herrn Dr. Baumann, Herrn Dr. Alex, dem Förderverein LAGA 2022 Torgau e.V. als Projektträger und der SLUB Dresden für das Engagement herzlich bedanken.

 

Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Torgau

Romina Barth